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Die römische Straßenstation bei Niederschopfheim

Zu den wichtigsten Aufgaben der ehrenamtlichen Mitarbeiter der archäologischen Denkmalpflege gehört das Auffinden bisher unbekannter Fundstellen im Gelände, vor allem von Siedlungen. Sind diese uns noch unbekannten Fundstellen zwar durch das Denkmalschutzgesetz von Baden-Württemberg als Kulturdenkmale bezeichnet, so kann ein wirkungsvoller Schutz aber doch erst nach ihrer wissenschaftlichen Erfassung gewährleistet werden.

Den Mitarbeitern des Archäologischen Arbeitskreises des Historischen Vereins der Ortenau ist zu verdanken, dass sich in den letzten Jahren das vor- und frühgeschichtliche Fundstellennetz in der Ortenau stark verdichtet hat. Dabei überwiegen römerzeitliche Siedlungen, die sich vor allem rechts und links der römischen rechtsrheinischen Hauptstraße befinden, die sich in der Ortenau von Ettenheim über Lahr und Offenburg nach Achern westlich der heutigen Bundes.

Dieses mächtige Gebäude wurde durch einen Brand zerstört, die Fundamente zum Teil ausgeraubt, die gewaltigen Schuttmassen einplaniert und ein neues, wesentlich kleineres Gebäude errichtet. Zahlreiche Funde aus den Fundamenten des zweiten Baues, darunter eine Silbermünze (Denar) des Kaisers Antonius Pius (138 bis 161 n. Chr.) zeigen (Abb. 6), dass die Brandkatastrophe in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, wahrscheinlich um das Jahr 180 n. Chr. stattfand. Dieser Zeitpunkt fällt zusammen mit dem Markomannenkrieg im Osten, dem Tode Kaiser Marc Aurels und der Verbreitung der Beulenpest im Römischen Reich. In dieser Zeit scheinen in der Ortenau zahlreiche Siedlungen zerstört worden zu sein, wohl ein Hinweis auf innere Unruhen in diesem Bereich. Die Fundamente des neuen Gebäudes bestehen nunmehr aus Schutt (Leistenziegelbruchstücke, Buntsandsteine, Scherben) des alten Gebäudes und liegen über den Fundamenten des ersten Baues. Neue Räume kommen hinzu, doch sind jetzt nur noch die West- und die Nordseite sowie das neue, kleine Bad überdacht, ein Wohnraum wird noch im Westen angesetzt.

Obwohl das Haus in Fachwerkbauweise errichtet ist, verfügen die Wohnräume im Westteil immer noch über einen gewissen Komfort. Dies lassen Estrichfußböden und Wandbemalung erkennen; über einen Korridor gelangte man trockenen Fußes nun in das geheizte Bad (Abb. 4). Im Nordteil scheinen sich Stallungen befunden zu haben, im Ostteil wurde Eisen geschmolzen und verarbeitet. Unter dem zahlreichen Fundmaterial wie einem eisernen Schlüssel, einer Lanzenspitze, einem Öllämpchen und Weinamphoren, von denen eine den Herstellerstempel trägt und aus Spanien stammt, finden sich auch einige besondere Stücke, so ein eisernes Obstmesserchen, an dessen Griffende ein fein geschnittener Löwenkopf herausgearbeitet ist. Ein südlich des Gebäudes liegender Vorratskeller war in das Grundwasser eingetieft worden, weshalb seine Holzkonstruktion sehr gut erhalten war. Er hatte ein mit einem Holzboden versehenes separates Abteil, in dem Lebensmittel kühlgehalten wurden, wohl vor allem Getränke, wie ein daraus stammender Krug  nahe legt. Im 3. Jahrhundert n. Chr. wurde das Gebäude noch mehrmals umgebaut, wobei es jedes Mal kleiner wurde.

Niederschopfheim Römersiedlung
Niederschopfheim Römersiedlung

Größten römischen Einzelgebäude in der Ortenau

Eine endgültige Wertung des komplizierten Befundes kann erst nach der vollständigen  Ausgrabung erfolgen. Doch lässt sich schon jetzt feststellen, dass es sich bei diesem großzügig dimensionierten Bau, der dicht an der römischen Hauptstraße lag, nicht um einen Gutshof, sondern wahrscheinlich um ein Rathaus handelt. Dafür sprechen die Lage, die Größe des Gebäudes, die Anordnung der Räume, die Integrierung zahlreicher Funktionen in das Gesamtgebäude ebenso wie die Zusammensetzung des Fundmateriales. Hier übernachteten also römische Fernreisende in komfortablen Zimmern, hier wurden sie bewirtet, und hier konnten alle notwendigen Reparaturen an den Reisewagen durchgeführt werden. Vorhanden waren natürlich auch Ställe für Pferde.

Ob diese Herberge zivilen Charakter hatte wie eine Herberge bei Lahr oder doch eher militärischen, wie es die Legionsziegelstempel und die Errichtungszeit nahe legen, lässt sich jetzt noch nicht sicher aussagen. Fest steht jedoch, dass es sich um eines der größten römischen Einzelgebäude in der Ortenau handelt, dessen teilweise gute Erhaltung bald bei der Bevölkerung und der Gemeindeverwaltung den Gedanken an eine Restaurierung aufkommen ließ. Diese Restaurierung wird nunmehr durch den Archäologischen Arbeitskreis und die Gemeinde mit Zuschüssen des Landesdenkmalamtes, des Ortenaukreises und der Gemeinde Hohberg durchgeführt, worüber später mehr zu berichten sein wird.

Der relativ gute Erhaltungszustand

Der relativ gute Erhaltungszustand, der in der Ortenau bei römischen Gebäuden selten zu finden ist, ist darauf zurückzuführen, dass das ehemalige Ödland über der mächtigen Ruine erst im 19. Jahrhundert zu Ackerland umgewandelt worden ist. Seither wird Jahr für Jahr der schützende Schuttmantel über den Fundamenten abgetragen. Da zu befürchten war, dass in den nächsten Jahren eine weitgehende Zerstörung der oberen Baubefunde stattfinden würde, entschloss sich das Landesdenkmalamt zu einer Untersuchung des großen Gebäudes. Diese Ausgrabung wurde erst durch den Grundstücksankauf durch die Gemeinde ermöglicht und mit Studenten der Ur- und Frühgeschichte durchgeführt. Obwohl die Grabungen noch nicht abgeschlossen sind, kann hier bereits ein summarischer Vorbericht erfolgen.

Eine Erweiterung der Flächen im Bereich der Apsiden erlaubte den Nachweis eines Bades mit zwei Räumen, von denen einer mit einer Fußbodenheizung versehen war (Abb. 2). Schnell wurde deutlich, dass das Gebäude mehrmals grundlegend umgestaltet worden war. Ältere Fundamente, deren Steine zur Wiederverwendung entnommen worden waren, zeichneten sich als dunkle Verfärbungen nach dem Abziehen des Bodens ab (Abb. 3). Der komplizierte Grundriss ist hier noch nicht nach Bauphasen getrennt, gibt aber doch ein gutes Bild dieses eindrucksvollen Gebäudes. (Abb. 4).

Der erste Bau hatte in Ost-West-Richtung eine Ausdehnung von 45 Metern, in Nord-Süd-Richtung dürfte er ebenfalls weit über 40 Meter lang sein, die Eingangsfront scheint im Norden zu liegen. Seine sorgfältig aus Kalksteinen der nahen Vorbergzone gelegten Fundamente erreichten stellenweise eine Tiefe von zwei Metern, was auf ein mindestens zweistöckiges Gebäude schließen lässt. Das aufgehende Mauerwerk bestand aus gut bearbeiteten Buntsandsteinen, außen mit Fugenstrich verziert, innen mit Wandputz belegt, der teilweise bemalt war. Das Dach wurde mit massiven Pfeilern gedeckt; der enorme statische Druck dieses Daches wurde mit massiven Pfeilern aufgefangen, die in dem 30 x 11 m großen, ungedeckten Innenhof standen. Mindestens sechs jeweils 4 x 4 m große Räume befanden sich an der Westseite  (Abb. 4). Ihre Estrichböden und die qualitativ hervorragende Wandbemalung weisen sie als Wohnräume aus. Zu diesem ersten Bau scheinen mehrere Nebengebäude gehört zu haben. Die Erbauungszeit wird außer durch Keramik vor allem durch zwei Ziegelstempel der 21. Legion angezeigt (Abb. 5). Sie datieren den Bau in das 5. Jahrzehnt n. Chr. , also lange vor dem Bau der Kinzigtalstraße durch den Straßburger Legaten Cn. Cornelius Pinarius Clemens im Jahre 74 n. Chr. Da das Gebäude ziemlich sicher auf die rechtsrheinische römische Straße bezogen ist, bezeugt es auch deren Existenz schon in dieser Frühzeit.

Gute Fundbedingungen

Die guten Fundbedingungen, die durch das in den letzten Jahren erfolgte Umbrechen ausgedehnter Wiesenflächen ermöglicht werden, bedeuten aber gleichzeitig eine permanente Zerstörung der flachgründigen römischen Fundamente durch den Pflug, so dass in kurzer Zeit unabsehbare Verluste entstanden sein werden. Zwar wird vom Landesdenkmalamt dieser Entwicklung durch punktuelle Ausgrabungen Rechnung getragen, doch eine angemessene Überwachung des inzwischen so fundreichen Ortenaukreises wäre nur mit einem hauptamtlichen Kreisarchäologen zu verwirklichen.

Bei der  Auswahl des Geländes für die Feldbegehungen zur Auffindung von Fundstellen durch die Mitarbeiter des Archäologischen Arbeitskreises, die im Frühjahr und Herbst nach dem Pflügen stattfinden, spielen neben der topographischen Situation auch die Flurnamen eine bedeutende Rolle. Vor allem der in der Rheinebene immer wiederkehrende Flurname Steinacker (in verschiedenen Verbindungen) weist im ansonsten steinfreien Feld auf Überreste römischer Siedlungen hin, die sich durch Mauersteine, Leistenziegel und Scherben zu erkennen geben.

Zentrum der Trümmerfläche

Deshalb war es auch nicht überraschend, dass J. Naudascher, Mahlberg, bereits bei der ersten Begehung des ausgedehnten Gewannes Steinacker Feld Steinacker Feld westlich der Ortschaft Niederschopfheim dicht östlich der Bundesautobahn ein großes römisches Trümmerfeld lokalisieren konnte.

Zahlreiche Steine, Unmengen zerbrochener Leistenziegeln und Scherben, die auf einer flachen Erhebung im ansonsten ebenen Ackergelände lagen, wiesen auf ein aus Stein gemauertes großes Gebäude hin, bei dem es sich um einen der so häufigen römischen Gutshöfe gehandelt haben könnte. Hypokaustplatten, die zu einer Fußbodenheizung gehörten, mehrfarbige Wandbemalungsreste und Mosaiksteinchen deuteten an, dass es sich um ein mit für dieses Gebiet beachtlichem Komfort ausgestattetes Wohnhaus gehandelt haben muss.

Im Zentrum der Trümmerfläche konnte durch das Entgegenkommen des Eigentümers eine kleine Probegrabung durchgeführt werden, Schon 0,1 m unter der Oberfläche wurde eine mächtige Fundamentstickung angetroffen; gut erhaltene Estrichböden waren mit ihrem römischen Gehniveau sogar ur 0,05 m tief. Auf den Böden der beiden zuerst ausgegrabenen Räume lagen große Stücke heruntergefallener, farbiger Wandbemalung noch unversehrt.

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